Fotografie Projekt zum Thema Immigration in Europa

In Zusammenarbeit mit dem Migrations-Zentrum Oikia und der Fundación Resilis habe ich im katalanischen Girona ein mehrteiliges Fotoprojekt initiieren können, das sich mit dem Thema Immigration auseinandersetzt. Eine erste Ausstellung begann im März 2018 in Girona, Spanien. Eine weitere folgte im Mai 2019 in der Provinz Burgos.

Die Auseinandersetzung mit Menschen, die aus der „Fremde“ zu uns nach Europa, nach Deutschland oder in diesem Fall nach Spanien kommen, ist für viele Menschen nicht einfach. Für die Menschen, die in unseren Breitengraden leben, bedeuten Immigranten nicht selten eine Bedrohung. Mag es am Islam liegen oder an der anderen Hautfarbe, die der Immigrant mitbringt, am Anfang ist jedweder Kontakt schwer, eine dauerhafte Integration erscheint noch viel schwerer. 

Ausstellung meiner Arbeit im „Labyrinth“ in der Aldea, Onya, Provinz Burgos

Für den Menschen, der aus einem anderen Kontinent nach Europa gekommen ist, bedeutet das Erreichen eines bestimmten Ziels dort das vorläufige Ende einer sehr langen Reise unter oft unmenschlichen Bedingungen.

Das Arbeiten hingegen in einer Sammelunterkunft für Kinder und Jugendliche, wie ich es in Girona unter der Leitung von Oikia/Resilis erleben durfte, bedeutet den dort angestellten Erziehern, Pädagogen und Ärzten eine ganze Menge. So schwierig sich das Zusammenleben und die tägliche Auseinandersetzung um die Probleme eines jeden einzelnen auch gestalten mag, so groß ist doch die Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung zwischen vielen, die dort sind. 

Ausstellung meiner Arbeit im „Labyrinth“ in der Aldea, Onya, Provinz Burgos

Besonders zu spüren ist das an den Momenten, wo jemand diesen Ort der Ruhe wieder verlässt, sei es ein Pädagoge, weil er eine andere Arbeit gefunden hat oder ein Jugendlicher, weil er zurück in sein Heimatland geht oder in der Hoffnung auf ein besseres Leben weiterzieht nach Norden.

 

Spanien ist nicht das Ziel der meisten Immigranten, die ich in Girona kennenlernte. Einige träumen von Deutschland, andere sind enttäuscht und wollen wieder zurück in ihre Heimat, sie hatten es sich hier anders vorgestellt. Nicht alle, die ich treffe, sind in der Lage, sich in einer europäischen Sprache gut auszudrücken, nicht alle zeichnen sich aus durch edlen Charakter, aber ich sehe Glanz in Augen so manch eines Jugendlichen, erspüre Ängste und Sehnsüchte.

Wie die Erzieher bestätigen, haben viele Jugendliche ein großes Potential; sie haben Schreckliches durchgemacht und nun das Glück, in diesem Zentrum auf einem Hügel unweit der kleinen Stadt Girona ein wenig durchzuatmen. Hier gibt es für sie zu Essen, warme Kleidung und eine schulische Ausbildung. Alles wichtige Grundvoraussetzungen für ihren weiteren (Lebens-)Weg, auch wenn das nicht jeder so sieht.

So durfte ich in Zusammenarbeit mit den Erziehern ein Konzept erarbeiten, das mir als Fotograf und Künstler einen neuen Weg für ein interessantes Projekt wies. Ich fotografierte die Jugendlichen im ersten Teil dieser Arbeit im Zentrum und auf öffentlichen Plätzen der Stadt Girona, wo sie mittlerweile zum Stadtbild gehören. Aus rechtlichen Gründen darf ich die Gesichter nicht zeigen, was für mich zur Folge hat, dass ich in der Ausstellung ohne die ausdrucksstarken und oft ernsten Blicke der Jungen arbeiten muss. Das empfand ich anfangs als sehr schade, begann dann aber damit, diesen Nachteil als einen Teil der Ausstellung zu inszenieren.

 

In Dipl. Des. Björn Göttlicher paart sich die Gelassenheit des Spaniers mit der Zuverlässigkeit des Deutschen und der Trinkfestigkeit des Finnen. Als cooler Papa und passionierter Mützenträger ist der Autor zahlreicher Bücher im Umgang mit seinen Makeln genauso humorvoll wie beim Vermitteln von fotografischem Wissen. Er beschäftigt sich als Autor viel mit den ästhetischen und philosophischen Fragen des Mediums Fotografie und erkundet die filmischen Ausdrucksmöglichkeiten in seinen Kurzfilmen. Darüber hinaus war er Bildredakteur des Satiremagazins „Der Laufbursche“ und seit 2018 Gründer des Photochimp Clubs.

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