Gedanken über die Zukunft der Fotografie, Teil2

Mit einem Smartphone fotografiert jemand eine 360 Grad-Kamera auf dem WMC ©Göttlicher

Eine Sache, bei der wir jetzt schon feststellen, dass sie sich verändert, ist die Modalität der Aufnahme an sich. Es ist über Jahrzehnte ein mehr oder weniger geschriebenes oder ungeschriebenes Gesetz gewesen (je nachdem welchen Autoren man zurate zieht), dass der Moment der fotografischen Aufnahme aus den Elementen Standpunkt, Ausschnitt, Fokus, Zeit und geistiger Ebene besteht. So erstmals definiert von John Szarkowsky im Museum of Modern Art in New York im Buch The Photographer’s Eye von 1966. Damit wurden damals die Grundregeln der Fotografie definiert, und wir lehren diese Regeln in unseren Kursen bis heute.

Die moderne digitale Kameratechnik und ihre Beziehung zur Informatik verändert diesbezüglich aber allerhand. In so mancher Kamera ist der Visor, also der in einer analogen Kamera mit einem Spiegel verbundene Durchblick durch das Objektiv ja nur noch in digitaler Form oder als Bildschirm vorhanden. Das Auge schaut gar nicht mehr selber durch die Linse, es ist die Kamera, die das Bild digital vorproduziert, schon vor der Aufnahme. Und das Geräusch des Auslösens ist bei so mancher aktuellen Kamera ja eher eine Nachbildung des Ur-Geräusches des Auslösers als ein selbstständiger Ton. Das digitale Festhalten eines Bildes verursacht gar keine Geräusche. Aber wir können uns das Fotografieren ohne das von uns so beliebte Auslöse-Geräusch nur schwer vorstellen. Das ist der Jetzt-Zustand, aber bald könnte das verschwinden, weil ja auch die Generation der Analog-Fotografen als potentielle Käufer bald keine Zielgruppe mehr sein werden.

Nachjustieren einer VR-Brille auf dem WMC ©Göttlicher

Das beliebige Zusammenbauen von Bildern zu einem Einzelbild, wie im Google Pixel Smartphone, nimmt dem Fotografen auch einen Teil der Entscheidung des Ausschnittes ab. Obgleich ich nicht mit Olympus fotografiere, weiß ich, dass es mindestens ein Modell gibt, welches ein sehr großes Digitalbild zusammenbaut aus mehreren kleinen Bildern, die aber ruhig stehen müssen. Da hat man dann in einer Aufnahme nicht mehr nur einen Ausschnitt der Zeit festgehalten, sondern gleich mehrere. Schon originell.

Was ist der Unterschied zwischen Fotofiesta und einem herkömmlichen Fotokurs?

Lichtfeldkameras wie die Lyro Illum erlauben gar das nachträgliche Festlegen der Schärfe-Ebene im Bild, und würden wir schon alle mit Kameras nur im Video-Modus arbeiten, sprich in einem Format wie 4K filmen, so wäre es ein leichtes, Standbilder aus dem live-Bild-Modus zu extrahieren. Zumindest das wurde uns vor einigen Jahren von den Kamera-Herstellern schon angekündigt. Durchgesetzt hat sich bislang weder 4K, noch das noch größere 8K. Vielleicht ist das aber nur eine Frage der Zeit. Im Moment kommen wir mit Full HD noch gut aus, aber für Bilder mit guter Druckqualität ist das zu wenig. Bei einem Projekt wie Like a coat of rain, könnte ich den Film+Foto-Modus gut gebrauchen, da ich bei meinen Interviews über die Ethik im Photojournalismus mehr filme als fotografiere und hinterher immer nach Fotos suche, die ich extra machen muss, was gerne vergesse. Ende Teil 2

Hier geht es zu Teil 1: Auch Künstler können irren.

Hier geht es zu Teil 3

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