Fotografie Projekt zum Thema Immigration in Europa

In Zusammenarbeit mit dem Migrations-Zentrum Oikia und der Fundación Resilis habe ich im katalanischen Girona ein mehrteiliges Fotoprojekt initiieren können, das sich mit dem Thema Immigration auseinandersetzt. Eine erste Ausstellung begann im März 2018 in Girona, Spanien. Eine weitere folgte im Mai 2019 in der Provinz Burgos.

Die Auseinandersetzung mit Menschen, die aus der „Fremde“ zu uns nach Europa, nach Deutschland oder in diesem Fall nach Spanien kommen, ist für viele Menschen nicht einfach. Für die Menschen, die in unseren Breitengraden leben, bedeuten Immigranten nicht selten eine Bedrohung. Mag es am Islam liegen oder an der anderen Hautfarbe, die der Immigrant mitbringt, am Anfang ist jedweder Kontakt schwer, eine dauerhafte Integration erscheint noch viel schwerer. 

Ausstellung meiner Arbeit im „Labyrinth“ in der Aldea, Onya, Provinz Burgos

Für den Menschen, der aus einem anderen Kontinent nach Europa gekommen ist, bedeutet das Erreichen eines bestimmten Ziels dort das vorläufige Ende einer sehr langen Reise unter oft unmenschlichen Bedingungen.

Das Arbeiten hingegen in einer Sammelunterkunft für Kinder und Jugendliche, wie ich es in Girona unter der Leitung von Oikia/Resilis erleben durfte, bedeutet den dort angestellten Erziehern, Pädagogen und Ärzten eine ganze Menge. So schwierig sich das Zusammenleben und die tägliche Auseinandersetzung um die Probleme eines jeden einzelnen auch gestalten mag, so groß ist doch die Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung zwischen vielen, die dort sind. 

Ausstellung meiner Arbeit im „Labyrinth“ in der Aldea, Onya, Provinz Burgos

Besonders zu spüren ist das an den Momenten, wo jemand diesen Ort der Ruhe wieder verlässt, sei es ein Pädagoge, weil er eine andere Arbeit gefunden hat oder ein Jugendlicher, weil er zurück in sein Heimatland geht oder in der Hoffnung auf ein besseres Leben weiterzieht nach Norden.

 

Spanien ist nicht das Ziel der meisten Immigranten, die ich in Girona kennenlernte. Einige träumen von Deutschland, andere sind enttäuscht und wollen wieder zurück in ihre Heimat, sie hatten es sich hier anders vorgestellt. Nicht alle, die ich treffe, sind in der Lage, sich in einer europäischen Sprache gut auszudrücken, nicht alle zeichnen sich aus durch edlen Charakter, aber ich sehe Glanz in Augen so manch eines Jugendlichen, erspüre Ängste und Sehnsüchte.

Wie die Erzieher bestätigen, haben viele Jugendliche ein großes Potential; sie haben Schreckliches durchgemacht und nun das Glück, in diesem Zentrum auf einem Hügel unweit der kleinen Stadt Girona ein wenig durchzuatmen. Hier gibt es für sie zu Essen, warme Kleidung und eine schulische Ausbildung. Alles wichtige Grundvoraussetzungen für ihren weiteren (Lebens-)Weg, auch wenn das nicht jeder so sieht.

So durfte ich in Zusammenarbeit mit den Erziehern ein Konzept erarbeiten, das mir als Fotograf und Künstler einen neuen Weg für ein interessantes Projekt wies. Ich fotografierte die Jugendlichen im ersten Teil dieser Arbeit im Zentrum und auf öffentlichen Plätzen der Stadt Girona, wo sie mittlerweile zum Stadtbild gehören. Aus rechtlichen Gründen darf ich die Gesichter nicht zeigen, was für mich zur Folge hat, dass ich in der Ausstellung ohne die ausdrucksstarken und oft ernsten Blicke der Jungen arbeiten muss. Das empfand ich anfangs als sehr schade, begann dann aber damit, diesen Nachteil als einen Teil der Ausstellung zu inszenieren.

 

In Dipl. Des. Björn Göttlicher paart sich die Gelassenheit des Spaniers mit der Zuverlässigkeit des Deutschen und der Trinkfestigkeit des Finnen. Als cooler Papa und passionierter Mützenträger ist der Autor zahlreicher Bücher im Umgang mit seinen Makeln genauso humorvoll wie beim Vermitteln von fotografischem Wissen. Er beschäftigt sich als Autor viel mit den ästhetischen und philosophischen Fragen des Mediums Fotografie und erkundet die filmischen Ausdrucksmöglichkeiten in seinen Kurzfilmen. Darüber hinaus war er Bildredakteur des Satiremagazins „Der Laufbursche“ und seit 2018 Gründer des Photochimp Clubs.

Fotograf mit Zweifeln Teil 3 – Die Ambivalenz des Leidens

 

Teil 3 – Die Ambivalenz des Leidens

 

Matthias Krug, Bildredakteur des Hamburger Magazins „Der Spiegel“, erklärt mir im Interview, die Arbeit des Fotojournalisten habe großen Einfluss auf die Gesellschaft. Sie zeige Probleme auf, anstatt sie nur zu beschreiben.

Die Fotografie visualisiere Geschehnisse. Im Falle von Naturkatastrophen sähen die Menschen erst durch Bilder, was vor Ort passiere. Beim Thema Ebola zum Beispiel, sähe man erst durch die Fotos die grauenvolle Situation der Menschen in Afrika. Das sei eindringlicher, als wenn man es nur mit Worten beschreiben würde. Ähnliches gelte für Ausstellungen, die sich solchen Themen widmeten.

Fotos in Galerien, Museen, Magazinen, Zeitungen oder auf Online-Seiten verdeutlichten den Menschen gewisse Dinge. Das könne die Bereitschaft der Bevölkerung verstärken, Hilfsprojekte zu unterstützen.

Der Bonner Kunstkritiker und Ausstellungsmacher Klaus Honnef sieht es nicht ganz so optimistisch. Fotografie sei, wie alles, was die Menschen erfänden, ambivalent. Einerseits habe die Fotografie Aufklärungsarbeit geleistet.

Bilder hätten ihre eigene Qualität, uns anzufassen – uns zu berühren. Menschen spendeten deshalb für Kinder in Not oder Opfer des Krieges. Einerseits. Andererseits, und das läge daran, dass die Fotografie nicht nur solche Lichtbilder aussende, setzten Bilder in Krisenregionen Massen in Bewegung, die in Europa ihr Heil suchten und Asyl beantragten.

Sei es, weil sie verfolgt würden, sei es, weil es ihnen schlecht gehe: Die Fotografie sei „movens“, sie bewege in jedem Fall. Und sie habe dazu beigetragen, dass wir die Welt verzerrt wahrnähmen. Wir wüssten mehr als früher, wir kümmerten uns, aber wir hätten ein Bild von der Welt, das wir gar nicht mehr beherrschen könnten – dank der Fotografie und ihrem Nachfolgemedium, dem Fernsehen.

Obwohl es den Menschen in Nordeuropa gut gehe, empfänden viele hier ein großes Maß an Unsicherheit. Und das liege sicher auch an dieser verzerrten Sicht auf die Welt.

Außerdem, so betont Klaus Honnef, ziehe das Leid anderer die Menschen an. Weiterlesen.

 

 

Fotograf mit Zweifeln Teil 2 – Zu Besuch bei einer finnischen Fotografin

Teil 2 – Meeri

Ausgangspunkt für mein Projekt ist die Frage, was sich durch Fotoreportagen über das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung für die Menschen verändert hat. Dazu will ich die finnische Fotografin Meeri Koutaniemi und den spanischen Fotografen Kim Manresa besuchen, welche beide dieses Thema fotografiert haben. Ich will mehr herausbekommen über ihre Hintergründe, ihre Motivation und mir von ihren Erlebnissen erzählen lassen.

Bevor ich nach Finnland aufbreche, kann ich in der spanischen Hauptstadt Madrid mit Miguel González  sprechen, dem Chef der renommierten Fotografen-Agentur Contacto. Ich frage Miguel González, ob fotografische Geschichten überhaupt in der Lage sein können, in der Gesellschaft etwas zu verändern. Er nimmt sich Zeit für eine Antwort. Dann erläutert er mir, dass Fotografen oft durch die Veröffentlichung eines Themas dazu beitragen, dieses Thema für die Gesellschaft zugänglich zu machen. Und ja, die in einer Veröffentlichung angesprochen Themen können sich ändern.

Diese Veränderungen vollzögen sich extrem langsam, sagt González. Eine einzige Text- oder Fotoreportage wird allein sicher keine Veränderung hervorrufen. Aber sie ist durchaus in der Lage, den Grundstein dafür zu legen. Es gehe dann eben um eine Realität, die die Menschen bis dato nicht gekannt haben. Sie ist mit einem Male existent. Bekannterweise sei es ja der erste Schritt beim Lösen eines Problems, dieses erst einmal kennenzulernen und sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Genau da habe der Fotojournalismus seinen Platz und seine Berechtigung. Er kann fundamentale Elemente dazu beitragen, dass diese bislang unbekannte Realität eine Veränderung erfährt. Das geht nur Schritt für Schritt. Die Gesellschaft nehme diesen Wandel kaum wahr.

Miguel González sagt, es gehe nicht darum, die Gesellschaft zu verändern.

Weiterlesen.

Das Projekt:

https://www.riffreporter.de/fmz/

Teil 1 – Der Anfang

Teil 2 – Zu Besuch bei einer finnischen Fotografin

 

Teil 3 – Die Ambivalenz des Leidens

 

Fotograf mit Zweifeln – Teil 1 Einleitung

Teil 1 – Einleitung

Mein Name ist Björn Göttlicher. Ich arbeite seit 20 Jahren als Fotoreporter und habe in meinem Beruf einiges gesehen. Viele schöne Dinge, aber auch die Ungerechtigkeit in der Welt und das Leiden vieler Menschen. Das hat mich nachdenklich gemacht, und ich habe angefangen, Fragen zu stellen. Ich bin der Fotograf mit Zweifeln.

In meiner Koralle möchte ich Sie mitnehmen auf meine innere Reise zu den Fragen der Ethik in der Fotografie. Die begann bei einem Besuch eines Festivals für professionellen Fotojournalismus. Ich besuchte das „Visa pour l’image“, das angesehenste Festival Europas in Perpignan. Dort wurde bei der allabendlichen Projektion der besten Bilder des Jahres auch ein Preis verliehen. An eine finnische Fotografin. Sie heißt Meeri Koutaniemi. Das war aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens bin ich zur Hälfte Finne. Meine Mutter stammt aus Finnland, und wenn eine Fotografin von dort einen renommierten Preis überreicht bekommt, dann freue ich mich gleich doppelt mit ihr. Das war aber nicht der einzige Grund. Der andere lag in dem von Meeri gewählten Thema, für das sie den Preis bekam.

Die Finnin ist ausgezeichnet worden für eine kürzlich entstandene Schwarzweiss-Reportage  über das Thema FGM, Female Genital Mutilation, aufgenommen bei einem Stamm der Massai in Afrika. Ein schreckliches Verstümmelungs-Ritual, das nur in wenigen Ländern praktiziert wird. Ich wusste nicht viel darüber, doch was ich wusste, das hatte ich einer anderen Schwarzweiss-Reportage entnommen, die ich zehn Jahre zuvor in einer spanischen Zeitschrift gesehen habe. Ich erinnerte mich noch gut an den Namen des Fotografen, der diese Bilder  aufgenommen hatte. Er heißt Kim Manresa. Seine Fotos haben nach der Veröffentlichung hohe Wellen geschlagen, sie zeigten ein weinendes kleines Mädchen in ihrem unsäglichen Schmerz. Der Fotograf hatte das Kind, das er fotografiert hatte, angeblich später sogar adoptiert, so sehr ging ihm die Geschichte zu Herzen.

Das ließ mich ratlos dastehen. Meeri Koutaniemi, Kim Manresa. Zwei Fotografen, dieselben visuellen Dokumente des Grauens. Schwarzweiss, intim, erschreckend. Einem jungen Mädchen wird die Klitoris beschnitten, hier wie da zweimal dasselbe schmerzhafte Ritual. Beide Reportagen fotografiert in Afrika. Zwischen den zwei Geschichten liegen viele Jahre, das kann ich sehen. Aber was ist in der Zwischenzeit passiert?

Plötzlich sind sie da, die Fragen. Sie kommen aus dem Nichts. Sie steigen in mir auf wie Bläschen in einem Sprudel. Und sie verschwinden nicht mehr.

Bestimmt sind diese kritischen Fragen das Ergebnis meiner Berufserfahrung, das Ergebnis eines jahrelangen Hinschauens, das in meinem Beruf nötig ist. Aber ich empfinde sie als lose Enden. Sie müssen wieder zusammengefügt werden, sonst finde ich keine Ruhe. Ich muss jemanden suchen, der meine Fragen beantworten kann. Denn es geht im philosophischen Sinne um die Wirkung von Fotografie, von Bildern und Dokumenten.

Die Bildreporter, die ich kenne, lassen meist glaubwürdige bildnerische Dokumente entstehen, die in ihrer Direktheit und Härte von Lebensrealitäten künden, die uns durchaus unangenehm sind. Sie sind oft weit weg von unserer Wohlfühlzone. Worum geht es in der Fotografie für mich? Kann ich selbst einen Beitrag leisten, um die Welt ein Stück besser werden zu lassen? Oder ist das nur eine Illusion? Das ist der persönliche Ausgangspunkt meiner Reise. Jede Frage generiert eine weitere Frage. So entsteht der Weg meiner Reise zu den Fragen der Ethik.

Begleiten Sie mich auf meinem Trip durch die Welt der Fotografie! Die Ethik hat ihre eigenen Fragestellungen und durchaus spannende Antworten. So ist das in dieser Koralle realisierte Projekt, für das ich ein Stipendium der VG Bildkunst erhalten habe, nicht nur für Fotografen von Interesse. Es ist interessant für diejenigen, die häufig und gerne Bilder betrachten, die sich von ihnen provoziert fühlen und die die visuelle Sprache der Fotografie besser verstehen möchten.

Ich spreche mit Menschen, die diese Fragen beantworten können oder zumindest eine Meinung dazu vertreten. Und ständig habe ich meine Zweifel. Ist es anmaßend, wenn ich mich in die Arbeit anderer einmische? Aber da sind sie schon wieder, die Zweifel, die dieser Serie ihren Namen verleihen. Der Fotograf mit Zweifeln. Als erste Interviewpartner  versuche ich es bei der Finnin Meeri Koutaniemi und dem Katalanen Kim Manresa zuhause. Mal sehen, ob sie mir die Tür aufmachen. Aber dazu mehr im nächsten Video.

Das Projekt:

https://www.riffreporter.de/fmz/

Teil 1 – Der Anfang

Teil 2 – Zu Besuch bei einer finnischen Fotografin

 

Teil 3 – Die Ambivalenz des Leidens

 

Eine der wichtigsten Fotoausstellungen der Welt ist in Luxemburg

Im Herzen Luxemburgs, in der Burg des kleinen Ortes Clervaux, befindet sich gegenwärtig eine der wichtigsten Fotoausstellungen der Welt. A Family of Man wurde schon 2003 in die Liste des UNESCO Weltdokumentarerbes aufgenommen. Ich wollte mit meinen eigenen Augen sehen, warum.

Die Anreise nach Clervaux erfolgte mit dem Auto durch das Saarland, und um nach Luxemburg zu gelangen, musste ich ganz schön tief ins Herz dieses kleinen Landes eintauchen, sprich über Landstrassen fahren. Einmal angekommen, kann man gut am Parkplatz vor der Burg halten und es dauert nicht lange, bis man sich in einer Art Weltkriegs-Memorial befindet, denn ein Panzer begrüsst die Besucher am Schloßeingang. Doch so sehr mich die Geschichte der Weltkriege auch interessiert, ich bin gekommen für A Familie of Man und A Family of Man ist Fotogeschichte im reinsten Sinne.

Darüber, dass diese Ausstellung einer der wichtigsten in der Geschichte der Fotografie ist, hatte ich während der Arbeit an meinem Buch gelesen und seit mehr als einem Jahr zieht es mich deswegen nach Clervaux. Die Ausstellung wurde im Jahre 1955 vom Fotografen Edward Steichen für das MOMA, das Museum of Modern Art in New York, kreiert. Dahinter stand die Idee, durch die universelle Sprache der Fotografie das Verständnis der Menschen untereinander zu fördern. Das war damals als Idee genauso neu wie es heute aktuell ist. Insgesamt zu sehen sind 503 Fotografien von 273 Autoren, darunter berühmte Fotografen ebenso wie Foto-Amateure. Steichen hatte sich durch einen Berg von 4 Millionen Einsendungen zu kämpfen, um seine Auswahl zu treffen. Und das hat er sehr gut gemacht.

Edward Steichen war übrigens Luxemburgischer Herkunft. Also wurde seine Ausstellung quasi heimgeholt. Richtig so! Das macht Hoffnung auf Anerkennung in der Heimat. Die bekanntesten Fotografen, deren Werke zu sehen sind, sind Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Dorothea Lange, Robert Doisneau und August Sander. Die Ausstellung wurde ein sensationeller Erfolg und bereiste die Welt in den 50er und 60er Jahren. Zu sehen sind in Clervaux 37 Motiv-Gruppen: die Liebe, der Glaube, die Geburt, die Arbeit, die Familie, Leiden, Krieg und Frieden…. Als besonders beeindruckend empfinde ich als Betrachter die Interkulturalität, sowie die Darstellung der Gefühle, die weltumspannend präsentiert wird. Das Leiden als Ergebnis von Unterdrückung und Krieg ist sehr eindrücklich, ebenso wie die Freude, die die Menschen erleben, beim Tanz, beim Feiern oder in der Familie. Die verschiedenen Etappen des Menschseins sind wie ein ruhiger, aber extrem bewegter Fluss dargestellt. Völlig egal, ob die Bilder aus Deutschland stammen, aus England oder aus Asien. Erkennbar ist die Zeit, in der die Dokumente entstanden sind. Es ist die Nachkriegszeit und somit ein bedeutendes Dokument einer Epoche, die uns heute ein wenig fremd erscheinen mag und die wir durch die Bilder nah heran holen.

Poetisch ist die Zusammenstellung der Bilder. Das Schwarzweiss funktioniert, um so viel Farbe und Vielfalt darzustellen, wie ich es bis dato nirgendwo anders gesehen habe. Meine einjährige Tochter erkennt Dinge und Situationen und deutet mit dem Finger darauf. Das macht die Wahl der Bilder menschlicher und nähert sie dem Betrachter an. Der Besucher langweilt sich nicht, im Gegenteil. Ich kann meiner Tochter bestimmte Situationen erklären, das ist ein echtes Familienereignis. Eine Stille herrscht in der Ausstellung, fast wie ein er Kathedrale. Flüstern ist angesagt. Und das ist das Beeindruckendste: Man kann auf der Rückfahrt noch lange über die verschiedenen Eindrucke reden, auch über dieses Yin und Yang, diesen Kontrast, den diese wie ein Organismus lebende Ausstellung bildet gegenüber der anderen, die Objekte und Momente der Krieges und der Vernichtung darstellt.

 

Sehr empfehlenswert: A Family of Man in Clervaux.

 

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Gedanken zu einem Ethik-Abend auf der Photoszene in Köln

Unter dem Titel „Ikonen der Flucht – Die neue Macht der Fotografie“ trafen sich in Köln im Rahmen der Photoszene 2016 die Fotografen Sybille Fendt, Nikos Pilos, Daniel Etter, Christoph Bangert, Peter Bialobrzeski mit den Herren Andreas Trampe vom Stern und Lutz Fischmann von Freelens, sowie Lars Boering vom World Press Award zum abendlichen Stelldichein. Aus den Vorträgen und der anschliessenden Debatte habe ich mir folgendes notiert.

Das Bild der fünfjährigen Ayla, die tot am Strand liegt, ist sicher DIE Ikone der gegenwärtigen Flüchtlingskrise. Ein Bild, das die öffentliche Meinung beeinflusst hat und das bis in die Politik vorzudringen vermochte. Am 5.September 2015 öffnete Kanzlerin Merkel die Grenzen, und ein beispielloser Flüchtlingsstrom ergoss sich über Europa mit dem Ziel Deutschland. Der Grieche Nikos Pilos zeigt Bilder und bewegende Videos über eine Situation der Grenzschließung im Balkan und über den Tod im Meer. Er berichtet, er hätte auf der Insel Kos den Vater zweier Kinder interviewt, direkt 2 Stunden nach deren Tod durch Ertrinken. Dieser stand verständlicherweise komplett unter Schock. Aber auch der Fotograf war von der dramatischen Situation, die er dokumentierte, sehr mitgenommen und stellte sich selber die Frage, wie man mit den Bildern im Kopf umgeht, um diese verarbeiten zu können und um weiterleben zu können. Keine leichte Frage, Ikonen hin oder her.

Weitere sich zur Ikone eignende Bilder werden erwähnt, so die Bilder von World Press Award Preisträger Warren Richardson. Ein Flüchtling reicht sein Kind durch einen Stacheldrahtzaun bei Nacht. Pulitzer-Preisträger Daniel Etter, der seine Praktika bei James Nachtwey und Seven absolviert hat, zeigt nun sein Gewinner-Bild, eine Foto-Ikone, die viele Menschen auf Titelbildern oder im Internet gesehen haben. Es zeigt einen Mann, der beim Betreten festen Bodens nach nächtlicher Fahrt über das Meer ein Kind auf dem Arm hält und von Gefühlen überwältigt weint. Ein Bild mit einer einfachen Lesbarkeit und schneller Zugänglichkeit für den Betrachter, was es auch zu einem sehr oft mißbrauchten Bild gemacht hat. Daniel Etter zählt die einzelnen Fälle von Bild-Mißbrauch auf, wobei er betont, wie unkontrollierbar das Phänomen für ihn als Autor des Bildes ist. Eine einmal in die Welt gesetzte Fehlinformation ist fast nicht mehr korrigierbar. Schmuggler hatten ihm erzählt, die Familie käme gar nicht aus Syrien. Im Irak wurde sein Bild von Demonstranten hochgehalten. In Marokko verbreitete sich das Gerücht, Kanzlerin Merkel hätte dieser Familie persönlich geholfen. Auf Facebook kursierte das Gerücht, die Familie hätte 536,067 € gewonnen. Dann wurde das Bild in anderem Zusammenhang in Kanada verwendet. In den USA dachten manche, die Familie sei aus Mexiko und hätte den Rio Grande überquert. Das Bild wurde als Propaganda gegen Donald Trump verwendet. Ich mache zu Hause mal den Test, ob sich das Bild von Daniel in diesem Zusammenhang im Netz finden lässt. Doch unter „mexican refugees rio grande“ finde ich es bei Google auf Anhieb nicht, obgleich ich erschüttert bin, was ich da für Bilder zu sehen bekomme und verstehe, wie es zu einer visuelle Ähnlichkeit kommen kann.

Jedenfalls ist eine der Schlussfolgerungen dieses Bild-Ikonen-Mißbrauchs, daß unser eigener kultureller Kontext und unsere eigene individuelle Erfahrung sich wie ein Schleier über ein Bild legen und ihm so einen anderen Kontext verleihen können. Oder ist das nicht immer der Fall? Ist das nicht beim Betrachten jedes Bildes so? Die auf dem Bild dargestellte Familie jedenfalls ist schon wieder im Irak, von wo sie auch aufgebrochen ist.
Das hat Daniel bei der Aufnahme vor Ort erfahren. Gut. Aber wenn man dieses Bild an ganz unterschiedlichen Orten unterschiedlichen Menschen zeigen würde, was würde dabei herauskommen? Wenn man es einem jungen Somali, einer 29-jährigen Österreicherin und einer alten Frau in den Anden zeigen würde, was würde sie darin sehen? Wahrscheinlich würden alle als erstes erkennen, dass es sich um eine Vater handelt, der sich um seine Kinder sorgt und der weint. Gefühle sind universell und von jedem lesbar. Aber ob es sich dabei um eine Schiffskatastrophe handelt, um Bootsflüchtlings in Australien oder eine Überschwemmungskatastrophe im Donau-Delta, das würde wahrscheinlich jeder so interpretieren, wie er es kennt oder sich vorstellen kann. Dass eine Österreicherin im Bild Flüchtlinge am Mittelmeer erkennen würde, liegt in diesem Zusammenhang sicher daran, dass derartige Bilder gegenwärtig eine starke Medienpräsenz haben. Aus der Sicht des Reporters oder Fotojournalisten, sowie aus Sicht ethisch moralisch verantwortungsbewusst handelnder Bildredakteure bei einer großen Zeitschrift, würde man jetzt den enormen Wert einer korrekten Bildbeschriftung hervorheben, die ja auch Teil der Arbeit an einem Bild ist und die sehr gewissenhaft erledigt werden muss.

To be continued

Das ist „Like a Coat of rain“ von Björn Göttlicher!

Entrevista con el fotoperiodista Björn Göttlicher

Reportero Björn Göttlicher © Göttlicher

Entrevista con Björn Göttlicher de Punt de Focus para el proyecto de Fotoperiodismo 3.0. Göttlicher ofrece un curso de fotografía de viajes en Girona en la escuela de Multifotos en 2017.

 

¿Cuándo comenzó tu carrera como fotoperiodista?

Mi carrera comenzó hace 15 años.

¿Cómo desarrollas tu trabajo actualmente?

Desarrollo mi trabajo en función de la temática. Si trabajo por encargo, estoy al servicio del cliente y si se trata de algún proyecto personal me organizo de forma independiente aplicando mis conocimientos de fotoperiodista para el tipo de Storytelling que a mi me interesa. Últimamente también realizo “trabajo de autor”, cosa que requiere mucha reflexión y sobretodo escribir.

¿Qué relación de trabajo mantienes con las agencias y medios?

Hace unos años existía el concepto de colaborar con agencias de diferentes países del mundo, pero ahora las ventas a través de agencias han disminuido, incluso han desaparecido algunas de ellas. En ese sentido, para mi, la importancia de la agencia fotográfica ha disminuido. Mientras la estructura clásica de las agencias se muestra mas bien inflexible, pequeños colectivos ganan cada vez más importancia, porque llegan al mercado con ideas nuevas y frescas.

En el pasado se consideraba imprescindible pertenecer a una de las grandes agencias para poder ser fotoperiodista de prestigio y poder publicar tus fotografías. ¿Cómo ha cambiado en la actualidad el papel de las agencias?

Fiesta de Moros y Cristianos en Sóller, Mallorca © Göttlicher

 Antes una agencia tenia que estar bien posicionada en el mercado para vender fotos y reportajes a sus clientes, tenia que estar bien conectada con los clientes del mundo editorial y así creaba ventas y encargos. Ahora quedan mas bien las grandes como Getty y Corbis, pero Getty puso gran parte de sus fotos para el uso gratuito. También fotógrafos que estaban contentos con sus ventas en esta agencia, han perdido parte de sus existencias, así que apenas te puedes fiar de las grandes agencias. Luego quedan las famosas agencias como Magnum, Seven o Vu, pero, en estas, el acceso es solo para unos pocos privilegiados y algunas agencias de este selecto club solo pueden subsistir gracias a las donaciones mensuales de sus miembros. Por todo esto estoy convencido que las agencias no son una posibilidad realista para los jóvenes fotógrafos.

¿Cómo cambió tu forma de trabajar con la aparición de los equipos fotográficos digitales?

La cámara digital ha hecho una evolución importante en la historia de la fotografía. Para el fotógrafo profesional su irrupción ha causado un gran impacto, para bien y para mal. Hoy en día utilizamos cámaras que tienen muchísimas mas opciones que antes. Eso es bueno, porque tenemos la posibilidad de hacer fotos casi en todas las condiciones de luz posibles. Lo malo es que, la fotografía digital nos ha llevado a la situación actual: Casi todo el mundo tiene una cámara. La fotografía esta al alcanza de todos. El resultado es la desvalorización de la profesión del fotógrafo, que ya parece una especie en peligro de extinción.

La aparición de los smartphones ¿ha cambiado tu forma de trabajar?

Reportaje sobre Gibraltar para la revista alemana „Der Spiegel“ ©Göttlicher

Los smartphones cambiaron mi forma de ver la fotografía, porque me encanta la sencillez de fotografiar con el iPhone. El uso del iPhone ha cambiado la forma de documentar la vida en general. Te permite hacer fotos con facilidad y no tienes que cargar con todo el equipo, ni objetivos, ni bolsa. Podemos documentar todo lo que hacemos, pero también somos esclavos de ello, porque los redes sociales necesitan que las llenemos constantemente de nuevo contenido visual. Aun así, lo veo positivo, porque además, utilizo el iPhone para hacerme apuntes o para investigar temas. Es como un blog de notas visuales que llevas siempre contigo.

¿Qué impacto tienen las redes sociales en el fotoperiodismo?

 Evidentemente es una fuente fantástica de informaciones sobre las tendencias, las nuevas tecnologías, festivales o becas. En Punt de Focus utilizamos bastante la app de Flipboard que nos resume muy bien la información entrante.

Los medios de comunicación tradicionales tienen una especie de pánico al uso de las redes sociales y denuncian Google por la perdida de su audiencia. Los fotoperiodistas de hoy, igual como los colectivos, usan los canales como Twitter y Facebook constantemente. Muchos fotógrafos, sobre todo en Estados Unidos, ya utilizan Instagram para crear audiencia y tienen muchos seguidores para sus proyectos o incluso para la venta de fotos. Aquí vamos mas lento con eso.

La cantidad de fotos en internet ha aumentado de una forma brutal, lo que no ha aumentado es la inteligencia de los usuarios o la formación respeto al uso inteligente de las fotos. En 2014 se han subido 60 millones de fotos a Instagram cada día.

Dubai. Para un libro de viajes de la serie terra magica ©Göttlicher

Publicar una imagen en redes sociales puede alcanzar una difusión viral, pero a coste de resultar un trabajo no comercializable ¿Qué supone esta situación para un fotoperiodista?

En nuestro caso, desde Punt de Focus intentamos reflexionar mucho sobre este tema. Para crear audiencia sobre los trabajos multimedia que hacemos necesitamos ofrecer contenido gratis, no nos queda otra. Mas adelante cuando nuestro proyecto esté mas avanzado no creo que podamos darlo todo gratis. Mucha gente ya experimenta con las diferentes opciones de crear contenido visual de pago. Algunos periódicos tradicionales utilizan el sistema “paywall” para sus artículos. Mediastorm, por ejemplo, ofrece sus nuevas historias para una clientela de subscrición. La Plataforma Vimeo ya ofrece un sistema de Video “on demand” que permite generar ingresos, pero aun no hay una solución factible para todo tipo de trabajos. Es como la búsqueda del Santo Grial del periodismo. Para tener una audiencia suficientemente grande como para pagar una subscripción, necesitas trabajar muy duro y conseguir crear una marca.

¿Qué valor aporta el fotoperiodista en la cadena de valor o ecosistema del fotoperiodismo actual?

La agencia Magnum se creó con el propósito de cambiar la sociedad a través del fotoperiodismo. Años mas tarde tuvieron que corregir sus ideales y aceptar que la influencia de la fotografía es relativa. Hay casos de fotógrafos que se han entregado completamente a una causa y que han conseguido la atención de un gran publico hacia un tema social, cosa que es bastante difícil de conseguir en el contexto actual. Muchas veces la gente no quiere mirar mas allá de su ombligo, sobre todo las clases sociales ricas. Pero también sabemos que en el mundo de la fotografía existe el morbo hacia el sufrimiento de los desfavorecidos. Es mas fácil mirar con desolación una serie de fotos en una galería con una copa de vino en la mano, que ayudar de forma directa a la gente que lo necesita de verdad.

Aqui puedes ver el portfolio de Björn Göttlicher

En mi próximo documental, el cual podré desarrollar a través de una beca, intentaré acercarme a esta cuestión. Pienso hacer preguntas a profesionales del mundo del fotoperiodismo y del arte para intentar obtener alguna respuesta valida sobre la ética o la no ética de esta profesión. Los interrogantes que plantea la ética me inquietan mucho, y siento que necesito aportar algo positivo a la sociedad en la que vivo.

Curso con Björn Göttlicher en Girona