Wie finde ich meine kreative Stimme? Das Werk „Sinn in der Kreativität finden“ von Sean Tucker ist genau das Buch, das ich gesucht habe. Es beantwortet dem Leser eben diese Frage. Ich habe es von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen. Es ist tiefgehend, inspirierend und zutiefst erhellend!

 

Der Leser wird eingeführt in den Weg des Künstlers, den sich der Autor hart erarbeitet hat. Was wir gleich zu Beginn lernen: Gute Kunst bringt dich zum Weinen! Sie ist dann am kraftvollsten, wenn sie durch das, was wir erschaffen, Ordnung bringt in das Chaos des Lebens. Wie kann das gelingen? Anhand der ihn inspirierenden Beispiele aus Fotografie, Film, Literatur und Musik hilft uns der Autor, eigenen Vorbildern und auf seine Gefühle als Filter zu lauschen. Beim Wort „Inspiration“ geht Tucker an den Wortsinn, kommt es doch vom lateinischen „inspiratio“ und dem griechischen „pneuma“, das „Geist“ und „Atem“ bedeutet. Kreativ ausatmen bedeutet dem zu Folge, Raum für uns selbst zu schaffen. Ohne Agenda und den Rausch sozialer Netzwerke. Für sich Freiräume zu finden, muss man regelmäßig üben. Das Atmen ist wichtiger als alles Beiwerk von Spiritualität. Lass dich von den Werken anderer inspirieren. Konsumiere bewusst und erweitere so deine Perspektive, rät der Autor.

Tucker rät, flexibel zu bleiben und biegsam, damit wir uns aufrappeln können, wenn es mal schief läuft.

Sean Tucker ist ein Künstler voller Zweifel, der uns an seinem Leben teilhaben lässt. Dem zu folgen es sich lohnt, denn er vermittelt dem Leser, dass es auf dem Weg des Künstlers keine Notlügen gibt und keine Abkürzungen. Sie selbst müssen die mühsame innere Arbeit leisten, um herauszufinden, wer Sie sind, bevor Sie bereit sind, Ihre kreativen Fähigkeiten für etwas Bedeutendes einzusetzen. Es geht dabei um das Ego und um den Umgang mit Kritik. Sein Augenmerk richtet Tucker auf Kritik in sozialen Netzwerken und blickt damit auf seine eigenen Erfahrungen mit seinem Youtube-Kanal.
Unsere größte Aufgabe als Künstler, so erklärt Tucker, sei es folglich, herauszufinden, wie unsere innere Stimme klingen soll. Die Suche nach dem Thema und der Art, diese auszudrücken, beschäftigt uns ein Leben lang. Meditation, Atmen, Spazierengehen. Alles kommt in dem leicht zu lesenden Buch vor. Dabei ist inspirierend, wie der Autor sich seinen inneren Dämonen stellt. Dieses Motiv durchzieht das Buch wie ein roter Faden. Wir müssen uns selbst kennenlernen und und vergeben, bevor wir kreativ tätig werden können, denn sonst ist es nicht viel, das wir beizutragen haben. Das klingt schonungslos ehrlich, bringt mich als Leser aber weiter.
Ich habe meine Freude an der klaren Ansprache, die ohne falsche Heilsversprechungen auskommt. Das einzige, was zählt, ist die Liebe zur jeweiligen Kunstform, für die man sich entschieden hat. Ein Werk fertig zu bekommen, bedeutet, etwas mit dem Potential in die Welt zu setzen, das anderen Freude bringen kann und in der Lage ist, Trost zu spenden. Dabei ist es besser, etwas fertig zu machen, als der Perfektion nachzujagen. Es ist falsch, dir einzureden, Aufmerksamkeit heile Wunden. Die eigene Kunst kann emotionale Defizite nicht wieder gut machen. Dafür gibt es Therapie.
Die Emotionen, die wir in unserer Welt erfahren, sind wie wilde Pferde, sagt Sean Tucker. Sie zu dominieren sei eine Aufgabe für das ganze Leben. Der Trick, wie das gelingen kann, liege darin, das eigene Gleichgewicht zu finden. In seinem Schreibstil verzichtet der Autor auf Übungen und praktische Ratschläge, weil er es vorzieht, den Leser als mündigen Erwachsenen zu behandeln. Er vertraut darauf, dass Sie selbst am besten wissen, wie Sie seine Gedanken auf Ihrem Weg gewinnbringend einsetzen. Einige, so wie ich, werden dieses Buch lieben. Andere werden sich vielleicht nicht so angesprochen fühlen, aber der Autor nennt diese bewusste Entscheidung in der Ansprache seine eigene Glückseligkeit.

Die Emotionen, die wir in unserer Welt erfahren, sind wie wilde Pferde

 

Er betont, dass es Mut kostet, dem inneren Kompass zu folgen und ein Werk in die Welt zu entlassen. Und seine Gedanken gehen weiter, worin ich eine Parallele zum Buch „Verbundensein“ von Kae Tempest sehe. Er stellt sich die Frage, ob es nicht Aufgabe des Künstlers (und des Fotografen) ist, die Verbindung herzustellen zu unserer eigenen Menschlichkeit. Es gelte, kreative Gaben für mehr, als nur für uns selbst anzuwenden. So wird der künstlerische Akt eine Dienstleistung am Nächsten.
Und natürlich kann man in seinem Tun immer scheitern. Tucker rät, flexibel zu bleiben und biegsam, damit wir uns aufrappeln können, wenn es mal schief läuft. So fällt es uns leichter, uns neu auszurichten. Tucker stellt Überlegungen an zu den Lebensphasen, die der kreative Mensch durchmacht und erkennt, dass wir nur auf lange Sicht Chancen haben, uns selbst zu realisieren. Die echte kreative Stimme sei die Arbeit eines ganzen Lebens. Be water, my friend, sagte dazu schon der große Kampfkünstler und Schauspieler Bruce Lee.

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